Die EU-CO₂-Grenzausgleichsregelung (CBAM) für importierte Hochleistungs-Legierungsrohre bewältigen
Die EU-CO₂-Grenzausgleichsregelung (CBAM) für importierte Hochleistungs-Legierungsrohre bewältigen
Verständnis des CBAM: Warum er für Legierungsimporteure von Bedeutung ist
Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU ist nicht nur eine weitere regulatorische Hürde – es handelt sich um eine grundlegende Veränderung der Art und Weise, wie kohlenstoffintensive Güter gehandelt werden. Für Importeure von Hochleistungs-Legierungsrohren (z. B. Edelstahl-, Duplex- und Nickellegierungen) stellt dies sowohl eine Compliance-Herausforderung als auch einen potenziellen Wettbewerbsvorteil dar.
Kernziel: CBAM stellt sicher, dass für importierte Waren ein Kohlenstoffpreis erhoben wird, der dem entspricht, den EU-Produzenten im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) zahlen müssen. Dadurch wird eine gleiche Wettbewerbsgrundlage geschaffen und einer sogenannten „Kohlenstoffauswaschung“ vorgebeugt – also der Verlagerung von Produktion in Regionen mit schwächeren Klimaschutzmaßnahmen.
Was Importeure von Legierungsrohren wissen müssen: Wichtige Zeitpläne und Anwendungsbereich
Phase 1: Übergangszeitraum (Oktober 2023 – Dezember 2025)
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Nur Berichterstattung: Noch keine finanziellen Zahlungen erforderlich
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Quartalsberichterstattung: Importeure müssen angeben:
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Menge der importierten Waren
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Direkt und indirekte in der Herstellung enthaltene Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2)
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Im Herkunftsland bereits gezahlter Kohlenstoffpreis
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Gilt für: Eisen-/Stahlprodukte einschließlich Rohre, Rohrsysteme und Armaturen (KN-Codes 7304–7306)
Phase 2: Vollständige Umsetzung (ab Januar 2026)
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Finanzielle Verpflichtungen: Erwerb und Einlösung von CBAM-Zertifikaten
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Zertifikatspreis: An die wöchentlichen Auktionen von EU-ETS-Zertifikaten gekoppelt
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Vollständige Abdeckung: Erweiterung auf indirekte Emissionen und möglicherweise komplexere Produkte
Die entscheidende Herausforderung: Berechnung der eingebetteten Emissionen in Legierungsrohren
Im Gegensatz zu Massenstahl weisen Hochleistungsliegierungen komplexe, emissionsintensive Herstellungswege auf:
1. Direkte Emissionen (Scope 1)
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Rohstoffproduktion: Nickelbergbau und -aufbereitung (insbesondere Laterit-Erze) emittieren 10–40 tCO₂/t Ni
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Legierungselemente: Die Produktion von Chrom, Molybdän und Niob ist energieintensiv
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Schmelzen und Raffination: Elektrolichtbogenofen-(EAF-) oder Argon-Sauerstoff-Entkohlung-(AOD-)Verfahren
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Rohrherstellung: Warmumformung, Wärmebehandlung und Endbearbeitung
2. Indirekte Emissionen (Scope 2)
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Stromquelle: Wesentlicher Unterschied zwischen wasserkraftbetriebenen Schmelzhütten (Norwegen, Kanada) und Anlagen, die an das Kohlenstromnetz angeschlossen sind
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Länderspezifische Faktoren des Stromnetzes: Emissionsfaktor des chinesischen Stromnetzes: ca. 0,6 tCO₂/MWh; Emissionsfaktor des französischen Stromnetzes: ca. 0,05 tCO₂/MWh
3. Komplexe Lieferkettenüberlegungen
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Recyclingmaterial: Legierungen mit hohem Anteil an recyceltem Schrott (insbesondere Edelstahl der 300er-Serie) können 60–80 % niedrigere Emissionen aufweisen
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Herstellungsverfahren: Vergleich von integrierten Walzwerken mit Minimills, die schrottbasierte Produktion nutzen
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Verifizierungsanforderungen: Genaue, durch externe Prüfung bestätigte Emissionsdaten von mehreren Lieferanten erforderlich
Praktische Compliance-Strategie: Ein 5-Schritte-Aktionsplan
Schritt 1: Lieferketten-Mapping und Datenerhebung
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Identifizieren Sie jeden Produktionsschritt von dem Erz bis zum fertigen Rohr
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Legen Sie gemeinsam mit den Lieferanten Protokolle für die Datenerhebung fest
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Konzentrieren Sie sich auf „Primärdaten“ aus den tatsächlichen Betriebsabläufen und nicht auf Standardwerte
Schritt 2: Methodik zur Berechnung der Emissionen
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Wenden Sie EU-zugelassene Methoden an (derzeit ähnlich wie im EU-EHS)
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Bei komplexen Legierungen verteilen Sie die Emissionen auf die Nebenprodukte (Nickel, Kupfer, Kobalt)
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Dokumentieren Sie Annahmen und Berechnungsgrenzen klar und nachvollziehbar
Schritt 3: Einbindung und Zertifizierung der Lieferanten
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Lieferantenfragebögen für Emissionsdaten einführen
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Drittprüfung für wichtige Lieferanten in Betracht ziehen
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Langfristige Partnerschaften mit Herstellern entwickeln, die in die Dekarbonisierung investieren
Schritt 4: Compliance-Infrastruktur
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Digitale Systeme zur Erfassung von Emissionen einführen
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Interne Expertise aufbauen oder mit Beratern zusammenarbeiten
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Prüfspuren für alle Emissionsdaten etablieren
Schritt 5: Strategische Anpassungen der Beschaffung
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Lieferanten anhand ihrer Kohlenstoffintensität neben dem Preis bewerten
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Regionale Verschiebungen in Betracht ziehen: Lieferanten aus der EU, dem Vereinigten Königreich und dem EFTA-Raum haben Vorteile
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„Grüne“ Legierungen erkunden, die mit erneuerbarer Energie hergestellt werden
Finanzielle Auswirkungen und Kostenmanagement
Zertifikatskostenprognosen
Basierend auf den aktuellen EU-ETS-Preisen (80–100 €/tCO₂):
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Standard-Edelstahlrohr 316L: ~12–18 tCO₂/t × 90 € = 1.080–1.620 €/t CBAM-Kosten
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Hochnickelhaltige Legierung 825: ~20–30 tCO₂/t × 90 € = 1.800–2.700 €/t CBAM-Kosten
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Auswirkung: Könnte die Einfuhrkosten für Legierungsrohre um 5–15 % erhöhen
Strategie zur Minderung
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Kohlenstoffoptimierung: Bezug von Herstellern mit nachgewiesen niedrigeren Emissionen
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Strategische Lagerhaltung: Berücksichtigen Sie Importe vor 2026 für Projekte mit langen Laufzeiten
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Produktsubstitution: Prüfen Sie, ob Materialien mit geringerem Legierungsgehalt die Anforderungen erfüllen können
Wettbewerbliche Implikationen und Marktchancen
Risiken für Hersteller mit hohem Kohlenstoffausstoß
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Traditionelle Zulieferer in kohleabhängigen Regionen stehen vor erheblichen Kostensteigerungen
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Komplexe Dokumentationsanforderungen können kleinere Walzwerke ausschließen
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Der Preisvorteil einiger asiatischer Produzenten könnte schwinden
Chancen für zukunftsorientierte Importeure
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Vorteil des Erstbewerbers: Robuste Compliance-Systeme werden zu einem Wettbewerbsvorteil
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Grüne Premium-Produkte: Markt-differenzierte „kohlenstoffarme“ Legierungen
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Belastbarkeit der Lieferkette: Vertiefte Lieferantenbeziehungen und Transparenz
Vorteile europäischer Hersteller
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Bereits in den EU-EHS integriert (keine Doppelzahlung)
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Etablierte Systeme zur Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung
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Potenzial für „grünes“ Marketing gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern
Langfristige strategische Überlegungen
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Ab 2026: Erwartete Ausweitung auf weitere Produkte, Einbeziehung von Scope-3-Emissionen und strengere Regeln
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Globaler Trend: Großbritannien, Kanada und die USA erwägen ähnliche Mechanismen – skalierbare Compliance-Systeme entwickeln
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Technologieinvestitionen: Unterstützung von Lieferanten bei der Einführung elektrischer Hochöfen, Wasserstoffreduktion und CCS/CCUS
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Kreislaufwirtschaft: Recyclinganteil in Legierungsspezifikationen dort maximieren, wo technisch machbar
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Kundenerwartungen: B2B-Kunden fordern zunehmend Kohlenstofftransparenz in ihren Lieferketten
Empfohlene unmittelbare Maßnahmen
Für Importeure von Hochleistungslegierungsrohren:
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CBAM-Verantwortung festlegen: Ein Team oder eine Einzelperson mit der Leitung der Compliance-Bemühungen beauftragen
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Eine Pilotbewertung durchführen: Eingebettete Emissionen für Ihre Produkte mit dem höchsten Absatzvolumen berechnen
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Wichtige Lieferanten einbinden: Gespräche über deren Fähigkeiten zur Messung von Emissionen aufnehmen
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Finanzielle Auswirkungen bewerten: CBAM-Kosten für Ihr Produktportfolio und Ihre Preisgestaltung modellieren
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Regulatorische Aktualisierungen verfolgen: Die CBAM-Durchführungsrechtsakte befinden sich noch in der Entwicklung – bleiben Sie informiert
Fazit: Vom Compliance-Ansatz zur Wettbewerbsstrategie
Der CBAM stellt mehr als nur eine Steuer dar – er ist eine grundlegende Neubewertung dessen, was unter „Kosten“ bei industriellen Materialien zu verstehen ist. Für Importeure hochleistungsfähiger Legierungsrohre erfordert eine erfolgreiche Bewältigung:
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Technische Kompetenz der komplexen Emissionsbilanzierung
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Umwandlung der Lieferkette hin zu Transparenz und Datenaustausch
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Strategische Neuausrichtung der Beschaffung auf Grundlage der Kohlenstoffeffizienz
Diejenigen, die den CBAM als strategische Chance und nicht lediglich als Compliance-Belastung betrachten, werden sich in einem zunehmend kohlenstoffbewussten Markt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Legierungsrohre der Zukunft werden nicht nur nach ihren mechanischen Eigenschaften und ihrer Korrosionsbeständigkeit bewertet, sondern ebenso nach ihrem CO₂-Fußabdruck.
Beginnen Sie noch heute mit Ihrer Bewertung. Die Übergangsphase bietet Ihnen die Gelegenheit, Systeme aufzubauen, Methoden zu testen und Lieferantenbeziehungen zu entwickeln, bevor die finanziellen Verpflichtungen im Jahr 2026 beginnen.
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